Peter Gutmann, Professional Paranoid (Eigenbeschreibung laut Homepage) vom
Department of Computer Science der
University of Auckland hat mit seinem Artikel zu DRM und Vista "
A Cost Analysis of Windows Vista Content Protection" einiges Aufsehen in der Webwelt verursacht. Er beschreibt darin die Auswirkungen von DRM in Windows Vista.
Vorab ein bisschen Info, dann meine Meinung:
Was ist DRM:
Digital Rights Management ermöglicht Content Anbietern die Verbreitungskontrolle über ihre "Premium" Inhalte, dazu gehört z.B. Musik oder Filme. Beim Kauf von DRM geschützten Inalten erwerbe ich eine Lizenz, die mir je nach dem, einiges erlaubt und meist vielmehr verbietet, z.B. wie oft/lange ich etwas hören darf, ob ich die Lizenz auf ein anderes Gerät übertragen darf, ob ich es auf CD brennen darf, usw...
Was ist der Vorteil für Kunden?
Ähm,... DRM ist meiner Meinung nach kein direkter Vorteil, den ich als Kunde habe. Der einzige indirekte Vorteil ist, dass meine Inhalte verfügbar sind, denn ohne Kopierschutz/DRM will z.B. Hollywood keine hochauflösenden Filme auf den Markt bringen. Ähnlich verhält es sich z.B. mit einer Diebstahlsicherung in einem Kaufhaus, davon hab ich als Kunde mal direkt auch nichts, ich weiß allerdings, dass die Preise auch den Anteil beinhalten, der gestohlen wird,... insofern könnte man argumentieren, dass Diebstahlsicherung auch Preise niedriger hält (hinkt, den digitale Inhalte sind ja quasi ohne Kosten vervielfältigbar, es macht keinen Unterschied, ob ich 10 Dateien oder 10 Millionen Dateien kopiere)
Was ist der Nachteil für Kunden?
Das einfache Kopieren von Inhalten fällt flach, d.h. z.B. derzeit kann ich iTunes Musik nur mit der Playersoftware (und iPods) von Apple abspielen, aber nicht auf ein beliebiges anderes Gerät transferieren. Selbes Spiel, wenn ich per Zune ein Lied kaufe. Ach ja kaufen: selbstverständlich muss so geschützte Musik gekauft werden,... Interoperabilität zwischen den einzelnen Anbietern DRM geschützter Inhalte und Player steht zwar auf jedermanns Wunschliste,... aber gibt's eben (noch) nicht. Deswegen war ja auch Bill Gates von DRM nicht begeistert.
Wer setzt DRM ein?
Populäres Beispiel für DRM wäre z.B. iTunes. Außerdem werden hochauflösende Filme auf BluRay und HD-DVD ebenso geschützt sein.
Was ist HDCP?
High-bandwidth Digital Content Protection (HDCP) heißt, dass jedes Gerät in der Abspielkette den Kopierschutz berücksichtigt und ein Abgreifen des digitalen Datenstroms verhindert, d.h. von der Player Hardware über die Software über alle beteiligten Chips, Ports usw... bis zum Ausgabegerät (Plasma, Beamer,..). Digitalen Output in volle Auflösung gibts nur, wenn die "Kette" sauber ist! HDCP sieht auch vor, dass Geräte auf eine Blacklist wandern können, die Blacklist z.B. auf jeder HD-DVD drauf, und so zurückgerufen werden können (Driver/Device Revocation). Heißt: ich habe z.B. (reales Beispiel übrigens) einen Samsung DVD-HD945 Player (ein DVD Standalone Player), bei dem sich HDCP durch Eingabe eines Codes deaktivieren lässt (samt Regionalcode, deswegen war die Eingabe notwendig^^). Wäre das ein HD-DVD oder BluRay Player und ich lege eine neue Disk ein, die dieses Gerät bereits als "gecrackt" führt ein, dann bleibt der Bildschirm schwarz,... so lange bis ich wieder eine reparierte Firmware einspiele, wo das deaktivieren von HDCP nicht mehr möglich ist.
Vista & DRM
Eingebaut in Vista ist ein umfassendes System, digitale Inhalte zu schützen, Output Copy Protection. Hier müssen alle beteiligten Komponenten (Treiber, Grafikkarte, Soundkarte,...) mitspielen. Sollte ein Treiber nicht "mitspielen", wird - im worst case - die Wiedergabe verweigert.
Meine Meinung zu A Cost Analysis of Windows Vista Content Protection:
Positiv: Anders als die übliche FUD Propaganda der FSF hält sich dieser Artikel weitestgehend an Fakten, natürlich merkt man eine gewisse persönliche Voreingenommenheit.
Nur seine Schlussfolgerungen sind meiner Meinung nach nicht ganz nachvollziehbar:
- DRM ist nicht nur ein Vista Thema (das wird zwar gesagt, aber trotzdem dreht sich der gesamte Artikel um Vista). Das ganze Szenario geht genauso mit einem Standalone-BluRay Player (z.B. einer PS3) und einem Anzeigegerät nach Wahl (Beamer, Plasma,..). Selbes Spiel! "Böse" ist DRM, nicht Vista.
- Es ist Marktwirtschaft, d.h. warum nicht auch Hardware wie eine Grafikkarte herausbringen, die zwar DX10 usw... kann, aber bewusst auf HDCP verzichtet! Sollte also, wie vom Autor vermutet, der Preis für Systemkomponenten hinaufgehen - wegen HDCP-um so besser für HDCP-lose Teile. Damit kann man auch Werbung machen: Aufkleber HDCP-free, nur mit dem Hinweis, dass man eben keine DRM geschützten Videos mit dem Teil abspielen kann.
- Es kann mich NIEMAND zwingen, eine DRM geschützt BD, HD-DVD, DVD oder CD zu kaufen. Ich muss halt u.U. auf den Content verzichten.
- Das Szenario (DOS, Driver Revokation) wird nur bei DRM geschützten Video/Musik Tracks schlagend - d.h. Auswirkungen auf den Arbeitsalltag in Vista gleich NULL, also z.B. wird man Arbeits-PC jetzt langsamer? Nein, woher denn?! Ausnahme: man sieht beim Arbeiten nebenbei einen Film,...
Ebenso der völlig reißerische Satz im Golem-Teaser: "Zusätzlich bestehe das Risiko, dass Menschenleben gefährdet werden" ist Blödsinn. Es sei denn, man stirbt, wenn man nicht sofort den Film sieht. Glaub ich, kommt recht selten vor.
Quellen für mehr Information findet man bei Microsoft mit den Suchbegriffen HDCP, DRM oder OPM (z.B. hier), bzw. in Peter Gutmanns Analyse.
Weil ich in diesem Zusammenhang schon oft gelesen über Befürchtungen gelesen habe :
- Eigene Inhalte sind NICHT davon betroffen, d.h. das Familienvideo, die mp3 Sammlung, usw... sind nicht plötzlich DRM geschützt.
- Rippen von Musik CDs: wenn die Quelle eine "normale" Musik-CD ist, dann kann auch weiterhin gerippt werden.
- Worst Case ist, dass der Film nicht wiedergegeben wird. Weder wird automatisch eine Cruise-Missle auf das Abspielgerät abgefeuert, noch Vista stillgelegt.
lg
georg