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Windows 8: Vertriebsmodelle für Business-Apps

von Georg Binder 9. February 2013 13:56

WindowsStoreWie verkauft man Apps an Business-Kunden und verwendet man dazu den Windows Store?

Eine Möglichkeit besteht darin, mittels Enterprise Sideloading die App innerhalb des Unternehmens zu verteilen. Das ist vor allem bei Business-Anwendungen („Line of Business“-Apps) eine interessante Möglichkeit, wenn die App selbst nicht im Public Store sein soll. Dazu sind aber, wie beschrieben, einige Voraussetzungen beim Kunden notwendig (Enterprise Version bzw. Sideloading Keys, Signaturen), eignet sich daher vorrangig bei Inhouse-Entwicklung oder größeren Installationen.

win8pushbiWenn man aber als Entwickler seine App einer größeren Menge an Kunden verfügbar machen will, dann geht das natürlich über den Store selbst um einiges einfacher. Damit lassen sich Kunden weltweit adressieren,… eine schöne Geschichte liefert ExtendedResults, ein Anbieter einer BI Lösung der offenbar sehr happy ist mit Windows 8 ist. Deren Business Intelligence Lösung PushBI (Download im Windows Store) ist eine reine Enterprise App, die Firma freut sich nach Veröffentlichung ihrer Windows 8 App über durchschnittlich 35 bis 50 neue Leads pro Woche. Dass sich das im Enterprise-Umfeld recht schnell bezahlt macht, ist wohl offensichtlich. Mehr dazu unter: We are Cranking it OUT on Windows 8! We Found GOLD! 

Wie haben die das geschafft? Nun, sie nutzen den Store zur Softwareverteilung und als Bewerbungsplattform, verrechnen ihre Services aber über einen eigenen Kanal. Damit sind wir schon bei den zwei grundlegenden Vertriebsmodellen bzw.  Möglichkeiten der Monetisierung bei Verwendung des Windows Stores:

Payment über den Windows Store

Bezahl-Versionen, Trial-Versionen, In-App-Purchases… alle Möglichkeiten, die das Herz begehrt. Alle Zahlungen werden im Verhältnis 70/30 zwischen dem Developer und Microsoft geteilt, bei erfolgreichen Apps, die über 25000 US$ machen, ändert sich das zu 80/20 – erfolgreiche Entwickler werden so noch besser entlohnt.

Vorteile:

  • Man muss sich als Anbieter um nichts weiter kümmern, Microsoft übernimmt die gesamte Abwicklung.

Nachteile:

  • Jeder Benutzer, der eine App kauft, muss dies mit seiner privaten Kreditkarte oder seinem PayPal-Konto tun, eine Verrechnung an eine Organisation/Firma ist derzeit nicht möglich.

Weil das nicht für jeden passt, hier eine weitere Möglichkeit:

3rd Party Commerce Transaction Provider

Nun gibt es Anwendungsfälle, wo man einer ganzen Organisation (z.B. einem bestimmten Unternehmen, einer Schule,…) eine App anbieten will. In diesem Fall kann man die Bezahlung außerhalb des Stores abwickeln oder auch mittels eines eignen Bezahlsystems in der App selbst – je nach dem, was passender erscheint. (BTW: Das ist etwas, das mitunter bei anderen Store-Anbietern ausdrücklich verboten ist).

Dazu stellt man die App gratis in den Store, erfordert aber z.B. ein Login, wo man den bezahlenden Kunden identifiziert und dann das volle Service zur Verfügung stellt. Die Bezahlung erfolgt dann mittels eines eigenen Systems (und sei es, dass man dem Kunden eine Rechnung per Post schickt,… wie auch immer). Zu beachten ist allenfalls, dass auch hier Richtlinien bei der Zertifizierung gelten, siehe Punkt 4.7 der Windows 8 app certification requirements: „If you use a commerce transaction provider other than the Store's, you must identify the provider at the time of the transaction or whenever you collect any payment information from the customer (…)”

Vorteile:

  • Flexible Modelle nach eigenen Vorstellungen möglich, z.B. direkte Verrechnung mit dem Kunden über Rechnung (das geht im Store sonst nicht).
  • Die App (bzw. vielmehr der Zugang zum Service) gehört der Firma, nicht dem Benutzer (wenn das dementsprechend implementiert wird, z.B. Login-Name ist die Firmen E-Mail)

Nachteile:

  • Man muss sich um das ganze Billing und die Authentifizierung selbst kümmern.
  • Microsoft kriegt kein Geld (kein 70/30 bzw. 80/20 Share) – gut, das werden viele nicht unbedingt als Nachteil sehen.

Gibt es Beispiele für solche Apps? Klar, und zwar gar nicht wenige, man braucht sich nur Apps wie eBay, Amazon, Amazon Kindle und dergleichen mehr anschauen – die App ist gratis, die Bezahlung der Services erfolgt über die jeweils eigene Plattform.

Als Beispiel für eine App, die sich an Unternehmen richtet, kann neben dem eingangs erwähnten PushBI auch die Zeiterfassungsapp flow.timer der österreichischen Firma Icomedias dienen. Das Basis-Service für einen Benutzer ist gratis, wer mehr will, bucht die Services außerhalb der App dazu, siehe: http://www.flowtimer.net/Seiten/default.aspx

image

In jedem Fall noch ein paar Tipps dazu:

  • Bei Bezahl-Apps unbedingt eine Testversion anbieten, sodass potentielle Kunden sich ein Bild über die App machen können = mehr Umsatz (unabhängig, ob die App nun über den Store bezahlt wird, oder nicht).
  • Wenn man die Services nur gegen Login verfügbar macht, dann sollte die App einen „Demo-Modus“ vorweisen, der auch ohne Login funktioniert (Sample-Daten offline oder online zur Verfügung stellen), sodass auch hier sichtbar ist, was die App könnte.
  • Bei der Zertifizierung muss dem Tester ein Test-Login (Username/Passwort) zur Verfügung gestellt werden, sodass dieser den Gesamtumfang der App testen kann.
 

Comments (15) -

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2/9/2013 2:25:53 PM#

Der Seitenhieb auf andere Stores ist doch nur eine Krücke um zu überspielen, dass MS einfach keine andere Wahl hat, da man ja die Installation von "Metro" Apps von ausserhalb mal eben verboten hat.

MartinGermany | Reply

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2/9/2013 2:58:18 PM#

Nein, hat man nicht verboten. Enterprise Apps (und um diese geht es hier) können auch ohne Store installiert werden: www.windowsblog.at/.../...erprise-Sideloading.aspx

Georg Binder | Reply

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2/9/2013 5:23:31 PM#

Ich weiss ja nich was ihr da bei MS für Vorstellungen habt, aber Business Apps (siehe Titel) ist nicht das gleiche wie Enterprise Apps. Die wenigsten kleineren Betriebe können sich ne Enterprise Version oder entsprechende Sideloading Keys leisten, sind aber dennoch auf Business Software angewiesen. Für diese und alle normalen Benutzer ist die Installation von nonStore Apps nicht möglich und demnach verboten.

MartinGermany | Reply

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2/9/2013 5:27:33 PM#

Deshalb gibt es hier in genau diesem Artikel weitere Möglichkeiten aufgezeigt, die mitunter sogar flexibler sind als wo anders, ohne gleichzeitig die Sicherheit zu opfern.

Das wäre das eine. Das andere: die Enterprise Version für Klein(st)betriebe kostet 11 EUR/Monat. Das ist schon noch im leistbaren Bereich.

Georg Binder | Reply

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2/10/2013 12:34:33 AM#

Mir fällt wirklich nicht ein  was an dem Sideloading flexibel sein sollte. In meinen Augen (als Angestellter in einem solchen kleinen Betrieb) ist das ein Horroraufwand auf diesem Wege Software zu installieren. - Wohl gemerkt in einem kleinen Betrieb mit kaum mehr als 5 Rechnern. Ganz zu schweigen von dem Aufwand erstmal Win8 Enterprise anzuschaffen. Realistisch ist doch viel mehr: Chef geht in Laden, kauft 5x Windows Standard (evtl Pro), und installiert den Kram den er braucht. Und das sind in diesen Größenordnungen weder komplexe Rechtesysteme, noch Active Directory oder gar ein KMS. Wenns ganz hart kommt wird ein zentaler Server mit Freigabe als Datenspeicher genutzt, mehr aber auch eher nicht. Insofern sehe ich hier eine klare Planung am reellen Bedarf vorbei. Mag sein dass das ganze für große Unternehmen mit komplexen Netzwerken beim Deployment hilfreich ist, aber es tangiert nichtmal im Ansatz den reellen Arbeitseinsatz für Leute mit zum großen Teil Standardsoftware, die mal die eine oder andere Spezialanwendung brauchen (in unserem Fall eine Redaktionssoftware)

Aus diesem Grund ist und bleibt "Metro" ein geschlosseneres und unflexibleres System als alle anderen AppStores, die mir bekannt sind. Denn selbst auf nem Android oder Mac genügt ein Haken und man kann jede Software nutzen, die man möchte. Wo gibts das in Windows?

MartinGermany | Reply

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2/10/2013 9:31:21 AM#

Ja, und was hindert daran, dafür einfach den Public Store zu nutzen, wie in diesem Artikel beschrieben?

Georg BinderÖsterreich | Reply

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2/11/2013 7:27:39 PM#

Warum man nicht den Public Store für eine Enterprise-"App" nutzen möchte, wenn man wie im Fall von Martin nicht den komplett überdimensionierten Weg über Enterprise Sideloading gehen möchte?

Wäre ich in so einer Situation, würde die Antwort ganz simpel ausfallen:
Ich möchte unter Umständen nicht, daß alle(!) von der Existenz dieser Software wissen.
Gerade Enterprise bzw. LOB-"Apps" möchte ich exakt nur denjenigen zukommen lassen, die berechtigt sind, von dieser Software überhaupt zu wissen.

Und um die nächste Frage gleich vorweg zu beantworten:
Warum möchte man als Software-Entwickler, daß nicht die ganze Öffentlichkeit von der Existenz der eigenen Enterprise/LOB-"App" weiß?

Ganz einfach - weil man sich von außen nicht angreifbar machen möchte.
Es gibt gerade im Enterprise-Bereich sehr sensible Software, bei denen allein die Kenntnis, daß diese Firma diese Art von Software produziert, alles andere als gut von der Öffentlichkeit und/oder der potentiellen Konkurrenz aufgenommen werden würde.

Und nur, damit keine Missverständnisse aufkommen:
Unter dem Begriff "Enterprise/LOB" verstehe ich hier nicht nur interne Software in großen Unternehmen, sondern explizit auch den B2B-Vertriebsweg, bei dem ein ISV Software gezielt für den Einsatz in anderen Unternehmen entwickelt, jedoch keinen Einfluss whatsoever(!) auf die betriebsinternen IT-Strukturen dieser anderen Firmen hat.

Ein plakatives aber durchaus anschauliches Beispiel wäre so ein Segment hier:
http://bit.ly/XpX0s5
Es gibt jedoch garantiert auch massenweise Software im legaleren Bereich, auf die exakt dasselbe soeben Gesagte zutrifft.

Just my two cents.

MarkusÖsterreich | Reply

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2/11/2013 7:42:57 PM#

Nur als kleine Ergänzung zu meinem vorigen Beitrag:
Nein - ich entwickle keine Software, die Menschenrechte verletzt.
Der mitgeschickte Link war nur ein beispielhafter Fall zur Veranschaulichung meiner Meinung.

Ich war jedoch einmal vor einigen Jahren im Bereich Sportwetten tätig, wo so ziemlich alles unter den Firmen, die dort zusammenarbeiten, absolut geheim bleiben muss.
Und auch dort kann es durchaus vorkommen, daß kleinere Firmen daran beteiligt sind, die nicht nur wegen einer speziellen App ihre bestehende Windows 8 Pro IT-Welt auf Windows 8 Enterprise umstellen wollen und bei denen die "flexible" 100er Stückelung der Sideloading-Keys in der Praxis nicht anwendbar ist.

MarkusÖsterreich | Reply

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2/10/2013 11:45:57 AM#

Dieser Kommentar zeigt:

auch als Kleinbetrieb tuts weh ist man in Sachen IT falsch beraten...

georghehÖsterreich | Reply

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2/9/2013 3:58:09 PM#

35 bis 50 neue Leads pro Woche

Marketingdeutsch auf dem Windowsblog ... wie tief bist Du gesunken, Georg ....

Handelt der nächste Artikel dann von Opportunities, Live Time Maximizern und  "Der Story"?

PeterPÖsterreich | Reply

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2/9/2013 4:23:45 PM#

Peter, Du Vogel. Das gibt extra Headshots.

Stand in der Quelle so drin, ich kann ja nicht ändern, worüber sich eine Firma freut. Offenbar haben sie aber Gold gefunden.

Georg BinderÖsterreich | Reply

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2/12/2013 3:58:54 PM#

Was meinen denn die anderen dazu?

ZSoMGermany | Reply

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2/12/2013 3:59:05 PM#

Was meinen denn die anderen dazu?

ZSoMGermany | Reply

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2/18/2013 7:56:44 PM#

Doppelposts! Ein Problem des Internets... Smile

MindstormerÖsterreich | Reply

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3/4/2013 7:02:01 PM#

der Blog ist tot

raziaÖsterreich | Reply

Pingbacks and trackbacks (1)+

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3/8/2013 4:05:33 PM#

Bezahlmodelle im Windows Store

Bezahlmodelle im Windows Store

WindowsBlog | Reply

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