Hier ein Gastbeitrag von Martin Leyrer (Journalist). Unvorsichtigerweise habe ich Martin eigeladen auch mal was zu schreiben... und nun so etwas! Der Beitrag ist unverändert und spiegelt in keinerster wie auch immer gearteten Weise die Meinung von vistablog.at wieder. Meine Ergänzungen stehen extra im Kommentar :)<% image name="georgundmartin" class="center" %>Georg und Martin (vor den 10 Gründen,..)Georg Binder und ich haben uns auf der ITnT über Vista und das Vistablog unterhalten und sind auf die "10 Gründe warum ein Wechsel auf Vista lohnt" zu sprechen gekommen. Ich konnte meine Klappe natürlich nicht halten und meinte "da fallen mir locker zehn Gründe ein, warum man noch nicht auf Vista wechseln sollte". Und Zack, hatte ich schon diesen Gast-Blog am Hals. Zwei Bemerkungen noch vorab: Wenn ich "Vista" schreibe, meine ich zumindest die Home Premium Edition mit aktiviertem Aero. Und ich habe mich eher am Endkunden orientiert als an den Firmenkunden, die ja bereits länger mit Vista arbeiten dürfen.
Hier also meine zehn Gründe, warum man derzeit noch nicht auf Vista wechseln sollte, in Form eines kleinen Countdowns.
10. Schlechte Spiele-PerformanceNormalerweise gehören ja die (Hardcore) Gamer zu den so genannten Early-Adopters neuer Technologien und Produkte, da diese ihnen üblicherweise mehr Frames pro Sekunde, weniger Netzwerk-Lag, etc. bieten. Bei Vista ist dem derzeit noch nicht so. Ganz im Gegenteil. Aktuelle Tests mit der finalen Version zeigen, dass Vista durch die Bank langsamer als XP ist.
Hinzu kommt, dass Hardware-Audio nur über die neue OpenAL-Schnittstelle verfügbar ist. Wenn Spiele noch DirectSound oder DirectSound 3D benötigen, ist man auf spezielle Treiber des Audio-Herstellers angewiesen, sonst bleibt es bei langweiligem Stereo.
Gamer werde wohl erst auf Vista umsteigen, wenn auch Grafikkarten mit DirectX 10 Unterstützung (in Hardware) in ausreichender Auswahl und Stückzahl verfügbar sind (siehe auch "Hardware-Anforderungen").
9. Mobilität"Mehr Mobilität" hat Microsoft auch in Österreich beim Launch von Vista versprochen. Tatsächlich belastet die neue Aero Oberfläche die GPU (Graphics Processing Unit) deutlich stärker als XP und verbraucht daher auch mehr Strom. Wer auf lange Akku-Laufzeiten angewiesen ist und auf Aero nicht verzichten will (und wer will das schon), sollte sich den Einsatz von Vista derzeit noch genau überlegen bzw. den Kauf eines Zweitakkus in die Kalkulation mit einbeziehen.
8. Anwendungs-KompatibilitätViele Anwendungen sind noch immer nicht Vista-kompatibel, obwohl das neue Betriebssystem bereits seit November verfügbar ist und SW-Hersteller schon länger Zugriff auf die Beta-Versionen hatten. Vor allem Anwendungen, welche CDs rippen bzw. Medien beschreiben (Nero, iTunes, ...) haben Probleme. Auch Programme, die noch immer das alte WinHelp Format für Ihre Hilfe verwenden, haben unter Vista Schwierigkeiten. Der schwarze Peter gebührt hier eindeutig die Anbieter dieser Anwendungen, trotzdem bekommt Microsoft die virtuellen Ohrfeigen dafür.
7. Treiber-VerfügbarkeitDas bei den Anwendungen gesagte gilt auch für die Hardware-Treiber, vor allem bei älteren Geräten. Wie schon beim Wechsel auf Windows 2000 hinken die HW-Hersteller bei der Treiberentwicklung den Entwicklungen auf dem Betriebssystemmarkt hinterher. Da sind die Probleme, die im Zusammenspiel von IE7 und Multifunktionsdrucker auftreten noch eher Kleinigkeiten. Vor dem Wechsel auf Vista sollte man daher überprüfen, ob die vorhandene Hardware auch tatsächlich mit Vista zusammenarbeiten kann.
6. Hardware-AnforderungenJa, natürlich. Vista läuft auf einem halbwegs aktuellen System mit einer brauchbaren Grafikkarte und 1 GB Hauptspeicher. Wenn man aber über den IE 7, Windows Mail oder "Hold'em Poker" hinaus noch anderen Anwendungen starten möchte, sollte es schon etwas mehr Speicher sein. Die meisten derzeit erhältlichen, neuen Systeme (vor allem im preisgünstigen Segment) tragen dem noch nicht Rechnung.
Windows XP läuft auf aktueller Hardware zur Zeit (noch) schneller als Vista. Die Vorteile, die Vista aus Hybriden Festplatten und dgl. ziehen kann, um das System zu beschleunigen ziehen auf den derzeit erhältlichen Systemen noch nicht.
Wer die neuen Spiele mit DirectX 10 Unterstützung spielen möchte, kann zum Betriebssystem auch noch gleich eine neue Grafik- und Soundkarte dazu rechnen.
5. Stabilität?Windows Vista wurde mit einem komplett neuen Netzwerk-Stack ausgestattet, der nun zum ersten Mal an die breite Masse ausgeliefert wurde. Mal schauen, wie sicher und stabil dieser wirklich ist. Weiters wurde in Vista nun auch der IPv6 Stack per default aktiviert. Zusammen mit den neuen P2P Fähigkeiten und anderen Features ergeben sich da für Hacker komplett neue Möglichkeiten.
Ich persönlich würde mit einer Installation in "sensiblen" Bereichen abwarten, bis die ersten Gurus den neuen Stack abgeklopft haben und sich Vista in der freien Wildbahn bewährt hat.
4. User Account Protection (UAP) Eigentlich als Sicherheitsfeature gedacht, erweist sich UAP als noch nerviger als Clippy, die plaudernde Büroklammer in Office. Auch wenn Microsoft seit den ersten Betas die Anzahl der Pop-Ups reduziert hat, kommen diese für einen Enduser noch immer viel zu oft. Und ich spreche aus Erfahrung, da ich schon mit den Anrufen aus dem Bekanntenkreis, wenn die Firewall wieder einmal wissen will, ob sie etwas blocken soll, mehr als ausgelastet bin.
3. XP funktioniert einfachSieht man von dem "ich bin nicht in, wenn ich Vista nicht installiert habe" Faktor ab, so gibt es für den Heimanwender derzeit keinen zwingenden Grund, von XP auf Vista zu wechseln. Alle Anwendungen laufen (zum Teil sogar besser) unter XP und der Support für XP Home wurde von Microsoft vor kurzem sogar noch verlängert. Ein hektischer Wechsel, weil XP alt und nicht mehr unterstützt wird, ist also nicht notwendig.
2. Vista ist noch nicht fertigBis jetzt galt eigentlich immer die eiserne Regel "Installiere nie ein Microsoft-Betriebssystem, bevor nicht das erste Service Pack (SP)" erhältlich ist. IMHO gilt das auch für Vista.
Das Vista SP1 soll, unter anderem, Regressions-Bugs, Probleme, die einen Rollout verhinden könnten und andere Themen "von hoher Bedeutung" beheben. Microsoft möchte schon jetzt Feedback und Vorschläge dazu haben. Wer also Beta-Tester für das Vista SP1 sein möchte, kann Vista bereits jetzt installieren. ;)
Dem SP1 wurde der Codename "Fiji" zugewiesen und gemäß dem, was man bereits dazu lesen kann, wird das SP1 nicht nur Bugfixes beinhalten und Kompatibilitätsprobleme beheben, sondern auch einige Funktionen nachliefern, die es nicht mehr in das ursprüngliche Vista geschafft haben. So etwa Abspielfunktionen für Blu-Ray und HD-DVD, NGSCB und (vielleicht sogar) WinFS.
"Prima Vista" kann ich da nur sagen.
1. Es gibt keine Killer-Applikation für Vista1979 kaufte sich jeder einen Apple II, weil das die einzige Platform war, auf der die Tabellenkalkulation VisiCalc lief. Der original IBM-PC verkaufte sich in seinen Anfangsjahren deswegen so gut, weil Lotus 1-2-3 nur darauf lief. Der Erfolg des Apple Macintosh basierte auf den Desktop-Publishing Produkten Aldus PageMaker and Adobe PostScript.
Auf der PDC 2003 und in den darauf folgenden Jahren zeigte Microsoft eine ganze Reihe von tollen, innovativen Anwendungen, die für Vista auf der Basis der Windows Presentation Foundation (früher "Avalon") geschrieben wurden. Wer auf YouTube nach "WPF" sucht, bekommt einen kleinen Eindruck davon.
Nur jetzt, zum Start von Vista, sieht man nichts mehr davon. Schade.
Und ohne "Killer-Anwendung" (und damit meine ich nicht einen Ego-Shooter) wird sich Vista genau so schleppend verkaufen wie Windows 2000 oder XP.
Fazit:Wir werden um Vista nicht herum kommen. Spätestens, wenn man neue PCs nur mehr mit Vista ausgeliefert bekommt, wird uns ein Wechsel nicht erspart bleiben. Bis dahin wird aber noch einige Zeit vergehen und die meisten der oben angeführten Punkte werden dann hoffentlich behoben sein. Beschleunigen könnte das Microsoft nur, indem das Unternehmen auf einmal eine Anwendung aus dem Ärmel zaubert, wegen der man auf jeden Fall auf Vista wechseln müsste.
Kommentare und "Berichtigungen" sind gerne willkommen, ich ersuche um ordentliche Argumente und eine "familienfreundiche" Formulierung. ;)